Streuobstwiesen

Grüne Pichlbirne – „Püllabirn“

Wanderung durch die Streuobstwiesen rund um den „Hansberg“ in Waldneukirchen

Ein Weg durch die flachwellige Landschaft des Alpenvorlandes führt zu alten und jungen Äpfel- und Birnbäumen unserer Region, die Erklärung über den Namen, Herkunft und Verwendung des Obstes bieten.

Landlbirne

„Guata Most und g´schmackige Säfte“ kommen von den landschaftsprägenden Streuobstwiesen unserer Kulturlandschaft. Blickt man in der Geschichte zurück, so kommt das Wort „Most“ aus dem Lateinischen „Mustus“, was frisch und lebendig bedeutet. Im Mittelalter gibt es schon Most als Getränk, aber bei weitem nicht in der Häufigkeit, wie es ab dem 18. und 19. Jahrhundert der Fall ist. In der Zeitepoche des aufgeklärten Absolutismus entwickelte sich die Wirtschaftstheorie des Physiokratismus, wonach die Landwirtschaft ein elementarer Träger und Motor des Wirtschaftsgeschehens ist. In Österreich förderte Erzherzogin und Kaiserin Maria Theresia und ihr Nachfolger Kaiser Joseph II. besonders die Landwirtschaft und die Pflanzung von Obstbäumen. Es war auch die Folge des kälter werdenden Klimas, in deren Verlauf die Weinberge wegen schlechter Qualität aufgegeben wurden. Man suchte nach Ersatz für ein billiges alkoholisches Getränk. Die Bierproduktion im eigenen Hof wurde unmöglich, weil Bierbrauen nur im „radizierten Gewerbe“ ausgeübt werden durfte.

Winawitzbirn Beschriftung mit QR Code

Entlang von Straßen und in der Nähe der Bauernhöfe pflanzte man Äpfel- und Birnbäume, deren Sorten, Kultivierung und Pflege nun von Gärtnern in Klöstern und Schlössern besonders gefördert wurden. Viele Sorten wurden bei Agrar-Messen vorgestellt und beim Mostmachen viele Mischungen ausprobiert.

Lange Zeit gab es den von Maria Theresia und Joseph II. angeregten Brauch, nach der Hochzeit an einem Bauernhof einen oder zwei Obstbäume zu pflanzen. Blickt man in unsere Streuobstwiesen-Kulturlandschaft so bekommt man den Eindruck, das besonders alte Bäume an die 200 Jahre erreichen und sogenannte „Maria-Theresien-Bäume“ sein könnten.

Most war anfangs steuerfrei.

Das 19. Jahrhundert und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts brachten einen Boom des Mosttrinkens. So manche Vierkanthöfe wurden erweitert und große Keller gebaut, weil sie durch den Verkauf von Most an die Wirte in den Städten und Märkten finanziert wurden.

„Das hat der Most gebaut!“

Gravensteiner
Rote Hanglbirn

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Mosttrinken unpopulär und Most als „billige Landessäure“ oder „Arme-Leute-Getränk“ abgetan. Durch die Mechanisierung und Industrialisierung gab es auf den Bauernhöfen auch nicht mehr so viele Menschen. Erst um 1990 begann eine Art „Renaissance des Most“ als Qualitätsprodukt aus den heimischen bäuerlichen Betrieben. Technischer Fortschritt durch Klaube-Maschinen erleichterten auch das arbeitsaufwändige Sammeln von Äpfel und Birnen.

Brünnerling
Beschriftungsschilder der Mostobstbäume
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