Stadtplatz 26

Der Handelsmann Lazarus Scheichl hatte Anna, die Tochter des reichen Bürgermeisters Hans Straßer (gestorben 1563) geehelicht und besaß mit ihr gemeinsam das Haus. Durch diese Heirat wurde er auch in den abgeschlossenen Kreis des Steyrer Patriziats aufgenommen.

Im Erbwege kamen gegen 1552 Hans Kellner und dessen Nachkommen in den Besitz des Objektes.

Vom Handelsmann Hans Kappler, der 1589 starb, und dessen Witwe Susanne ging der Besitz 1589 an Hans Reischko über, einem Vertreter des aus Villach stammenden reichen Steyrer Bürgergeschlechtes, das auch das Nachbarhaus Stadtplatz Nr. 24 inne hatte.

Hans Reischko selbst besaß auch das Haus Enge Nr. 31.

Bis 1598 – 1618 waren Hanns Stauder und Susanna Besitzer.

Hanns Stauder, Eisenamts-Kassier des inneren Rates, bittet um Erlassung der Bürger-Pflicht, in die der Rat erst nach mehrmaligem Ansuchen, bekräftigt durch einen kaiserlichen Befehl, willigt, da Stauder verschiedene Stadtämter innehatte, deren Neubesetzung dem Rat offenbar Schwierigkeiten machte. (Es scheint, dass damals die städt. Selbstverwaltung von den mit Ämtern betrauten Ratsmitgliedern nicht mehr als Ehre, sondern mehr als lästige Bürde empfunden wurde.)

In einem Bericht des Rats an den Landeshauptmann v. 19.1.1602 heißt es über seine Verhältnisse, er habe 17 Jahre zu Steyr herbergs gewohnt, als junger Gesell die Witwe des Benedikt Ättl geehelicht und von ihr ein feines Vermögen übernommen, da sie außerdem während der Ehe von ihren Eltern nicht wenig geerbt hatte, er habe sein Gewerbe mit Messern betrieben, es jedoch aus „Unhelligkeit seiner Schuldner in Polln aufsetzen müessen“ (andere Steyrer Bürger sind damals ebenso zu Schaden gekommen), er habe ein Haus in der Stadt mit einer Summe Geldes darauf. Nach der Ratswahl von 1504 auf 1605 wird er dann endgültig entlassen. (BGr. Abschied Nr. 3772, Ingeborg Krenn))

Am 30. Oktober 1665 kaufte der Steueramtsverwalter, Stadtkanzleioberschreiber und Stadtrichter der Jahre 1678 bis 1682 Wolf Athanasius Schüchel von Sazbach das Haus am Stadtplatz.

Das Ratsprotokoll berichtet, dass er eine sehr energische Frau hatte, die ohne sein Wissen Gerichtsdiener mit Visitationen beauftragte. Der Magistrat war gezwungen, der Frau „Stadtrichter“ diese Eigenmächtigkeit „decredaliter“ zu verbieten. Wolf Atbanasius Schüchel starb am 7. Juni 1706 im 74. Lebensjahre.

Bürgerhausanlage, bestehend aus Vorder-, Hinterhaus und Arkadenhof, im Kern aus dem 16. Jahrhundert stammend. Dreigeschoßiges dreiachsiges Vorderhaus mit Krüppelwalmdach. Erdgeschoß mit drei profilierten Spitzbogenöffnungen. Erstes Obergeschoß leicht vorkragend, ruhend auf profilierten Kragsteinen, im Bereich der rechten Gebäudehälfte spätgotischer Teil der Kragausbildung noch erhalten. Die Fenstergewände der beiden Obergeschoße spätgotisch profiliert. Zweiachsiges Giebelgeschoß. Fassade 1756 mit schlichtem Bandlwerkstuck dezent barock umgestaltet. Langgestreckter zweigeschoßiger Innenhof mit Pfeilerarkaden an drei Seiten, 1. Hälfte 16. Jahrhundert. Zweigeschoßiges Hinterhaus. Mauerabschluss zur Berggasse, Tür datiert 1764

Passage
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