Stadtplatz 12

Sternhaus, Fünf Sinne Haus

Von 1433 – 1445 war der Stadtrichter Merth Schmidtinger Besitzer des Hauses.

Von 1567 – 1598 im Besitz von Guetprot Wolfgang.

Die Guetprot gehörten zu den vornehmsten und reichsten Geschlechtern, die im 15. Jh. in der Stadt saßen. Sie kamen mit Lorenz Guetprot, einem äußerst fähigen und unternehmenden Handelsherrn um die Wende des 15. u. 16 Jh. hoch. Von bescheidenen Anfängen schlang er sich binnen 8 Jahren, wie es in der Beschwerdeschrift der Handwerker anlässlich der Streitigkeiten um die Ratswahl des Jahres 1506 heißt („vor 8 Jahren noch ein armer Diener“), zum Beherrscher des Messerhandels der Stadt auf. Von seinen Söhnen Wolf und Sigmund übernahm ersterer den Handel nach Venedig, wo seine Söhne Wolf (gest. 1629) und Achaz die Zweigniederlassung leiteten.

Aber das Geschäft in Steyr ging bergab. Lorenz, der jüngste Sohn des Wolf, er hatte 1615 als Ratsbürger bei seiner Vermählung mit Lukrezia Dirnbergerin den Hochzeitstanz im Rathaus gehalten, ersuchte 1625 um Aufnahme ins Armenhaus und ist wahrscheinlich 1628 gestorben.

Das Guetbrotische Haus übernahmen seine Brüder in Venedig; schon 1658 stand Achaz wegen des Verkaufes mit dem Rat in Verhandlung. (Pantz, Gewerken S.95/6)

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Um 1660 besaß ihn der Sekretär der Innerberger Hauptgewerkschaft Dr. Matthias Abele von Lilienberg (1617 -1677). Er war auch Dichter und Hofgeschichtsschreiber Kaiser Leopolds I. (Siehe Wappen)

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Im Jahre 1663 wird als Eigentümer der Pfundauswäger Gregor Schinnerer von Schinnern genannt, der als Bürgermeister von 1678 bis 1687 an der Spitze der Stadtverwaltung stand.

Kaiser Leopold I. verlieh ihm 1689 das Prädikat „von Schinnern“ und den Titel „kaiserlicher Rat“.

Die Fenster des 2. Stockes zieren Putti, die die 5 Sinne des Menschen darstellen.

Die Rose – Das Riechen

Die Trauben – Das Schmecken

Die Laute – Das Hören

Der Spiegel – Das Sehen

Die Schlange – Das Fühlen

Im Wappen der „Schoiber vom Engelstain“ ist ein „Maximilianeischer Bergmann“ zu sehen. Er trägt eine weiße Kutte mit Kapuze und einen Hammer in seiner Hand.

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Den Erker zieren die Wappen der Winterl und der Schoiber von Engelstain

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Der goldene Stern über dem Eingang, der von 2 Greifen gehalten wird, war das Zeichen für den Eisenhandel

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Ganz oben wacht Johannes der Täufer

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Bürgerhausanlage bestehend aus Vorder-, Hinterhaus und Innenhof, im Kern aus der Spätgotik stammend. Fünfachsiges viergeschoßiges Vorderhaus. Das erste Obergeschoß kragt auf gotischen Konsolbögen ruhend vor. Die Mittelachse durch einen über alle Obergeschoße reichenden Erker, ruhend auf profilierten Pfeilern, betont. Die spätbarocke Fassade stammt aus dem Jahr 1767. Die Ecken abwechselnd durch Diamantquader und Rosettenfelder akzentuiert. Hoher reich stucktierter Attikaabschluss. Die Gebäudeecken durch Runderker betont, der Mittelerker endet in einem Aufsatz mit einer Darstellung des „Guten Hirten“, links und rechts von diesem je eine Steinvase. Unter den runden Fensterbekrönungen des Erkers und der beiden abschließenden Geschoße reicher Stuck. Allegorische Darstellung der fünf Sinne im ersten Obergeschoß, über dem Portal sechszackiger Stern, Wappendarstellungen über dem ersten Obergeschoßfenster des Erkers. Die beiden linken Gebäudeachsen 1944 durch Bomben zerstört und 1953 rekonstruiert. Südliche Hofseite mit Pfeilerarkaden. Schlichtes viergeschoßiges Hinterhaus mit Doppelkrüppelwalmdach.

Datum der Unterschutzstellung: 4. März 1963

Preislied des Abele von Lilienberg 1655
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