Stadtgut (Harrergut)

Stadtgut Steyr

Von Hans Stögmüller

 

Der Bauernhof Haidershofner Straße 1-7 (Nr. 1 war früher Hausleiten 13, dann Gleink 26, KNr. 1070, EZ. Gleink 183)[1] hieß eigentlich Harrergut und wurde urkundlich schon 1310 unter der Bezeichnung „Hart“ erwähnt.[2] Es ist einer jener drei Bauernhöfe (neben Taschlmayrgut[3] und Mayrgut in Dornach[4]), die 1903/04 von der Stadt Steyr gekauft und der Militärverwaltung als Exerzierplatz für die Soldaten der Steyrer Artilleriekaserne überlassen wurden. Der Wald wurde abgeholzt, zwei Bauernhöfe 1910 abgerissen, nur der Harrerhof blieb stehen und wurde als Gastwirtschaft verwendet. Künftig wurde er Stadtgut genannt.

Im Oktober 1920 wurde das Verfügungsrecht über das 212 Joch große Anwesen (davon 15 Joch Wald) von der Gemeinde erworben und wieder bewirtschaftet.[5] Das Anwesen wurde 1935 an eine Wiener Gutsbesitzerin verkauft. 1949 hießen die Besitzer Ing. Josef Schwarz und Hansi Nagel.[6] Die Liegenschaft ging später an die Chemie Linz AG (früher Stickstoffwerke) über, die dort eine landwirtschaftliche Versuchsstation betrieb. 1959 waren Ing. Josef Schwarz und die Stickstoffwerke Linz gemeinsame Besitzer der Hausnummern 3, 5 und 7.[7]

Nach dem Bauernhof wurde 1958 die Harrerstraße in Gleink benannt.

1993 kaufte die Stadt das Anwesen von der Chemie Linz GesmbH., Linz, zurück. Es bestand aus den Liegenschaften EZ. Gleink 8, 27, 183 und 144 mit 94 Hektar Äckern, 16 Hektar Wald, drei Hektar Teichen und Gewässern, 16.900 Quadratmeter Garten und 6600 Quadratmeter Gebäuden, insgesamt also 1,152.913 Quadratmeter. Auf einem 35 Hektar großen Teil der Fläche wurde das 19 Hektar große Betriebsansiedlungsgebiet im Wirtschafts- und Dienstleistungspark „Stadtgut“ und das Technologiezentrum TIC angelegt.

Der Harrerhof wurde 2005 von der Stadtgemeinde an die Privatstiftung Rudolf Streicher verkauft, der die benachbarte Fabrikshalle der Firma Steyr-Motors gehörte. Der alte Hof wurde 2006 abgerissen.[8]

[1] Die Hausnummern 3, 5 und 7 hatten die Konskriptionsnummern 1068, 1067 und 1066, aber die gemeinsame Landtafel-Nummer 1136

[2] OÖ. Stiftsurbare II, 53, n. 17; Konrad Schiffmann, Histor. Ortsnamen-Lexikon des Landes OÖ, 1. Bd., Linz 1935, 432

[3] Damals Hausnummer Haidershofen 1. 1505 als „Täschl“ oder „Teschlhoff“ im Stiftsregister Gleink erwähnt. Besitzer 1589 Georg Taschlmayr. Letzte Besitzer waren bis 1903 das Ehepaar Leopold und Katharina Schützenhofer. Nach dem Hof wurde 1939 die nach Winkling führende Taschelmayrstraße benannt.

[4][4] Früher Hausnummer Dornach 8, letzter Besitzer um 1900: Adalbert Vostry

[5] Erwin Stein (Hg.), Stadt Steyr und der Weltkurort Bad Hall, Berlin-Friedenau 1928, 159

[6] StKal 1950, 322

[7] StKal 1960, 383

[8] OÖ. Nachrichten 12. Jänner 2006

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