Pfarrgasse 7

Rauchfangkehrerhaus

Vor 1525 im Khirichweg, in der Khirchgassen,

1522 abgebrannt und wieder aufgebaut.

Um 1432 im Besitz von Hanß Wienner und Margarete, verw. Luegerin. (Siehe Wappen)

Preuenhuber, S. 86: „Hannß Wienner, Richter zu Hall in der Hofmark, und seine HF Margareth, Ww. des Erhardt Lueger, schaffen 1432 zur Pfarrkirche in Steyr ein Haus im Kirchweg.“

1620 gehörte es dem Steyrer Meistersinger Nicolaus Lindtwurmb, Bürger (seit 1599) und Bortenschlager.

Er erfand „zwei Töne“, die „starcke Lindtwurmweis“ und die „rürende Rösselweis“.

Von 1601 – 1614 veranstaltete er sieben Singschulen. Sein letztes Gedicht trägt als Datum 20. Jänner 1616. Unter Lindtwurms Führung zogen auch die Steyrer Kürschnergesellen während der Osterfeiertage durch die Stadt und brachten, in Panzerhemden gekleidet und mit Schwertern agierend, christliche Gesänge zu Gehör. Ebenso spielten sie Schwänke und Fastnachtsspiele von Hans Sachs. (C.H. Watzinger)

Lindtwurm geißelte in seinen Werken die Schwächen seiner Zeitgenossen, so dass im Jahre 1612 vom Rat der Stadt Hans Mischer mit der Aufsicht über die Lindtwurmschen Singschulen beauftragt wurde. Im Liede „Das gerechte Urteil“ vom 20. Jänner 1616 besingt Lindtwurm einen Steyrer Apotheker, dem das Ross eines Grazer Kaufmannes eine zum Auskühlen in den Hof gestellte Arznei austrank. (Dr. Volker Lutz, Amtsblatt der Stadt Steyr Nr. 10/1974)

 Ein von ihm 1616 verfasster Meistersang stellt das letzte Zeugnis des Meistergesangs in Steyr dar. Aus konfessionellen Gründen verließ er Steyr im Jahr 1627 und dürfte nach Kolmar ausgewandert sein. (Dr. Josef Ofner, Steyrer Kalender 1982)

1635 war der Tischler Klain Andre der Besitzer, der aber der Stadt verwiesen wurde.

StB 1635, S. 7. — RP. 1655/163’/17.12.: Andre Khlain, Tischler, bittet um „verner Geniessung“ des Bürgerrechtes, wird abgewiesen, hat den städt. Burgfried zu meiden.

Von 1675 (Gizzi Dominicus) – 1859 (Rainer Wolfgang und Josepha, geb. Brandstoetter) und auch noch später war das Haus im Besitz von Rauchfangkehrern.

Zweigeschoßiges vierachsiges bergseitig mit einer Achse in den Straßenraum vorspringendes, im Kern spätgotisches Bürgerhaus mit charakteristischem Doppelgiebel und Krüppelwalmdächern. Barocke Fassadengestaltung aus der Zeit um 1700. Betonung der Gebäudekanten durch rieselverputzte Eckquader. Rieselverputzte horizontale Bänder zwischen den Geschoßen. Das Erdgeschoß bis auf das eckige Portal mit steinernem Gewände erneuert. Die Fenster des Obergeschoßes von rieselverputzten Faschen umrahmt. Im von einer ebenfalls rieselverputzten Fasche eingerahmtem Giebelgeschoß zwei barock geschwungene Belichtungsöffnungen. Bergseitig eine Fensteröffnung die in die Putzquaderung reicht. Datum der Unterschutzstellung: 6. Juli 1990

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