Medizinische Versorgung im Traunkreis 1840

Der Traunkreis des Landes ob der Enns, in physisch-medicinischer Hinsicht dargestellt

von Dr. Carl Ozlberger, k. k. Kreisarzt zu Steyr, 1840[1]

Für ganz erwerbsunfähige, sieche, verkrüppelte, oder mit Ekel erregenden Zuständen behaftete Individuen bestehen 26 Versorgungsanstalten.

Diese sind:

  1. Die Freiherr von Grünthal’sche Stiftung zu Schleißheim im Commissariat Dietach. Sie ist eine unbehauste Versorgungsanstalt für verarmte Untertanen der Herrschaft Dietach und Ottstorf, und wurde 1740 von Maria Rosalia Freiin von Grünthal geb. Gräfin Engl von Wagrain gegründet, indem sie die Hälfte der Interessen eines zur Pfarrkirche Schleißheim gestifteten Capitals von 3000 fl. zur Beteilung armer Herrschafts-Untertanen widmete. 1761 bestimmte Freiherr Johann Franz Xaver Cajetan von Grünthal zu demselben Zweck eine Summe von 2000 fl. Das Vermögen dieser Stiftung, die seither durch die Zeitverhältnisse manche Modification erlitten hat, bestand am Schluss des Verwaltungsjahres 1838 aus 1030 fl. C. M. in Staatsobligationen und in 800 fl. C. M. Privatcapitalien. Die Einnahme belief sich im erwähnten Jahr auf 125 II. 48 kr. C. M.; die Auslagen auf 12 fl. 46kr. CM. Es wurden hiermit drei weibliche Individuen beteilt.
  2. Das Spital zu Ebelsberg. Dasselbe leitet seinen Ursprung von der Stifterin, Anna Renner, verw. bürgerlichen Fischerin zu Ebelsberg, her, welche laut des Stiftbriefes vom 25. October 1595 ihre zwei, im Vormarkte Ebelsberg gelegenen Häuser zu einer Herberge und zum Unterhalt für solche arme Leute, „welche sonst nicht gerne an andern Orten beherbergt werden, und namentlich für arme preishafte Durchreisende“ bestimmte und sie mit den nötigen Einrichtungsstücken versah.

1660 stiftete Sophie von Adelshausen, verw. Pflegerin von Ebelsberg, „einen Acker, welcher zum Aufblühen und zum Vorteil des Spitals benützt und verwendet werden sollte.“ Durch Vermächtnisse, Schenkungen und Stiftungen, teils auch durch gute Gebarung vermehrte sich das Vermögen der Anstalt so, dass es am Schluss des Jahres 1838 2225 fl. in C. M. und 7125 fl. in W. W. verzinsliche Staatsobligationen, und 2520 fl. 371 1/2 kr. C. M. an Privat-Capitalien betrug. Die Einnahme belief sich auf 228 fl. 28 kr., die Ausgaben 209 fl. 56 kr. C. M., wovon in demselben Jahr 9 Pfründner vorsorgt worden waren.

  1. Die Versorgungsanstalten zu Enns.
  2. a) Das Bürgerspital. Der Zeitpunkt der Entstehung dieses wohltätigen, unter der Leitung des Stadt-Magistrates als Vogtei stellenden Institutes kann nicht genau angegeben werden. Dass es bereits im Anfang des 14. Jahrhunderts bestanden habe, erhellt aus einer Urkunde aus 1342, kraft welcher Philipp von Mauthausen, Bürger tu Enns, einen Weingarten zu Spitz dem „Spital Enns“ verschaffte. Der fromme, milde Sinn mehrerer Bürger der Stadt Enns, und anderer Wohltäter wendete im Lauf der folgenden Jahrhunderte dieser Anstalt mancherlei Schenkungen und Vermächtnisse, teils im Baren, teils an Äckern, Wiesen, Waldungen, Weingärten, Zehnten und Untertanen zu, so dass sie bald in einen sehr blühenden Zustand geriet und bei guter Gebarung bis 1788 an Capitalien allein einen Vermögensstand von 114.056 fl. 37 kr. besaß, aus dessen Erträgnissen nicht nur mehrere im Spital befindliche Pfründner mit allem Notwendigen reichlich verpflegt, sondern auch außer der Anstalt wohnende Pfründner mit einem Geldbetrag beteilt werden konnten.
  3. b) Das Bruderhaus wurde 1319 ebenfalls von einem Bürger der Stadt Enns, Namens von Husendorf, gestiftet, welcher ein Haus zu dem Zweck bestimmte und widmete, „dass die siechen und armen Menschen darin ihren Unterhalt haben sollten.“ Da aber dieses Haus allem Anschein nach mit der Zunahme der Armen zu klein geworden sein mag, so bauten die Bürger 1568 ein neues Bruder- oder „Pilgramhaus“, welchem auf gestellte Bitte von Kaiser Maximilian II. die St. Georgen-, dann die St. Katharina- und die heil. Geist-Stiftung zugewendet wurde. Dieses Bruderhaus wurde auch sonst von verschiedenen Wohltätern bedacht, so dass es bis 1788 außer Weingärten, Zehnten und andern Bezügen einen Capitalstand von 6705 fl. zählte.

Im letzterwähnten Jahr wurde auf höhere Anordnung eine gänzliche Umgestaltung dieser beiden Institute vorgenommen, ihre Häuser, Äcker, Waldungen, Weingärten verkauft, die Natural-Verpflegung der Pfründner in eine Geldbeteilung nach vier Abstufungen zu täglichen 11, 9, 7 und 6 kr. umgewandelt, und das Bruderhaus dem Bürgerspital unter dem Namen „Milde Versorgungsanstalt“ einverleibt. Diese Anstalt besitzt nun dermalen als Dominium noch Untertanen, Zehnten und Getreidedienst, und an Capitalien 36.504 fl. in CM., und 119.742 fl. in W. W. verzinsliche Staats-Obligationen; außerdem 3616 fl. C. M. Privat – Capitalien. Die Einkünfte beliefen sich im letztverflossenen Jahr auf 5260 fl. 37 kr., die Auslagen auf 5030 fl. 11 kr. C. M. Die Zahl der nach den erwähnten Abstufungen zu täglichen 11, 9, 7 und 6 kr. W. W. beteilten Pfründner betrug im Verwaltungsjahr 116 Köpfe, wovon sich 51 im Spital und 65 außerhalb desselben befanden.

  1. c) Das Lazarett zu Enns ist zur Aufnahme kranker Reisender, armer Handwerksburschen und Dienstboten , so wie auch solcher kranker Personen, die von keinem andern Fond eine Unterstützung genießen, bestimmt, und es steht für selbe daher immer ein Krankenzimmer in Bereitschaft, wozu eine eigene Wärterin angestellt ist. Die übrigen Zimmer des Hauses werden von alten presthaften Institutspfründnern bewohnt, die aus dem Armeninstitut ihre Verpflegung erhalten. Das Stammvermögen dieses eigentlich einen integrierenden Teil des Pfarr-Armeninstitutes bildenden Versorgungshauses war Ende 1838 nur 1150 fl. W. W., und die Herbstische Stiftung mit 3350 fl. C. M. in öffentlichen Fonds. Die Zahl der im Lazarett befindlichen Pfründner war im genannten Jahre 15.
  2. Das Spital und das Bruderhaus in St. Florian.
  3. a) Ersteres wurde zu Folge Stiftbriefes dd. 16. Juli 1684 vom damaligen Probst David Fuhrmann 1677 erbaut, freigebig dotiert, und zur Aufnahme alter, im Stiftsdienst schwach und gebrechlich gewordener Personen beiderlei Geschlechts bestimmt, und nur in Ermanglung solcher können verarmte Untertanen der Stiftsherrschaft Anspruch auf Aufnahme in dasselbe machen. Die Zahl der Pfründner war ursprünglich auf 16 festgesetzt.
  4. b) Das Bruderhaus besteht schon ebenso lange als das Spital und in selbes werden nur Personen weiblichen Geschlechtes, und zwar meistens aus der Klasse der Stiftstaglöhnerinnen aufgenommen. Ihre Zahl war auf 13 bestimmt.

Das Vermögen dieser beiden, aneinander gebauten und nun völlig ein Institut ausmachenden Anstalten betrug nach dem letzten Rechnungsabschluss in Staatsobligationen 4455 fl. C. M. und 20.375 fl. W. W., sodann ein Privatcapital von 40 fl. C. M. Die Einnahme belief sich auf 1342 fl. 36 kr., die Ausgaben auf 1285 fl. 7 1/4 kr. CM. Es werden daselbst gewöhnlich 25 Pfründner verpflegt, die außer einer jährlichen Beteilung mit 4 fl. C. M. pro Kopf vom Stift Natural-Unterhaltsbeiträge an Brot, Getreide, Bier, Wein und Stroh beziehen.

  1. Das Bürgerspital zu Gmunden. Über die Gründung dieser Versorgungsanstalt kann nichts Gewisses angegeben werden, da die vorhanden gewesenen Urkunden bei dem zu Anfang des vorigen Jahrhunderts daselbst stattgehabten großen Brand zu Grund gegangen sind. Dieses Versorgungshaus liegt in der Vorstadt Kranabeth, und besitzt dermalen einen Vermögensstand von, 2096 fl. C. M., und 21.951 fl. W. W. in Staats-, gleichwie 5173 fl. C. M. in Privatschuldverschreibungen. Die Summe der Einkünfte war im letzten Jahr 2023 fL 57 ¼ kr. C. M., während die Auslagen sich auf 1983 fl. 32 kr. C. M. beliefen. Es werden in der Kegel daselbst 25 Pfründner verpflegt, die einen Geldbetrag von täglichen 8 kr. C.M. beziehen.
  2. Das Armenhaus zu Neuhofen entstand im J. 1710 dadurch, dass Gebhart Gapp, Besitzer des Fiorini-Freihauses zu Neuhofen, zur Erbauung desselben 300 fl. widmete, und den Bau auch wirklich in seiner dermaligen Gestalt ausführte. In demselben erhalten 25 arme Personen nur den nötigen Unterstand, da kein Stiftungsfond vorhanden ist, und die äußerst geringen, meistenteils aus den Beiträgen des Gerichtsprotokolls des Marktes Neuhofen bestehenden, 1838 sich nur auf 20 fl. C. M. belaufenden Einkünfte zur Bestreitung der kleineren Reparaturen des Hauses verwendet werden, größere Baulichkeiten und Ausbesserungen dagegen aus den Einkünften des Marktes bestritten werden müssen. Die Unterständer erhalten ihre Beteilung aus dem Armeninstitut.
  3. Das Armenhaus zu Hall. Es wurde 1795 auf einem von der Herrschaft Hall zu diesem Zweck hergegebenen Grund teils durch freiwillige Geld- und Materialbeiträge, durch unentgeltliche Zug- und Handrobot der Pfarrgemeinde, teils auch aus Beiträgen der damaligen Armeninstitutscasse erbaut. Es enthält fünf Wohngemächer, in welchen 5-6 Arme ihren Unterstand haben, und, da dieses Armenhaus kein Stiftungscapital besitzt, ihre Beteilung aus dem Armenfond erhalten, aus welchem auch alle übrigen im Hause nötigen Auslagen bestritten werden müssen.
  4. Das Eggenberg’sehe Spital zu Vorchdorf im Commissariat Hochhaus wurde 1548 von Johann Fernberger zu Eggenberg für 8 arme Personen aus der Pfarre Vorchdorf gestiftet, und von diesem sowohl als andern Wohltätern mit Capitalien, Zehnten und Gründen dotiert. Das Vermögen dieser Anstalt bestand nach dem Rechnungsabschluss 1838 in Staatsobligationen 4350 fl. C. M., und an Privatcapitalien 342 fl. C.M. Die Einnahme betrug im erwähnten Jahr 186 fl. 19 1/2 kr. , die Ausgaben 145 fl. 55 kr. C. M. Es werden dermalen stets 8 Arme in der Anstalt verpflegt, die außer dem Genuss freier Wohnung wöchentlich 30 kr. W.W. pro. Kopf erhalten und an den hohen Festtagen anstatt des stiftmäßigen Festfleisches und Festweines ein Geldrelutum von 8 kr. beziehen.
  5. Das Bürgerspital zu Ischl. Schon vor undenklichen Zeiten wurde aus den Renten des Markt-Dominiums ein Haus im Markt Ischl zu dem Zweck angekauft, um verarmten Bürgern und andern Marktbewohnern einen unentgeltlichen Unterstand zu verschaffen. 1783 wurde dieses zum Bürgerspital bestimmte Gebäude seines schlechten Zustandes wegen abgerissen, und ein neues, mit einem Stockwerk versehenes Hans aufgeführt, auch mit den erforderlichen Gerätschaften eingerichtet, überdies durch freiwillige Beiträge ein eigener Fond für diese Anstalt gegründet. Da bei dem stets steigenden Ruf der dortigen Solebadanstalt die Zahl der Aufnahme suchenden einheimischen und fremden armen Kranken wuchs, und der Raum hierzu nicht mehr reichte, so ließ 1818 der um Ischl hochverdiente Hofrat Dr. Wirer Ritter von Rettenbach, auf eigene Kosten auf dieses Spitalgebäude noch einen zweiten Stock von Mauerwerk mit fünf Zimmern und einer Küche setzen , versah ihn mit allen nötigen Einrichtungsstücken, mit der Widmung, dass arme Kranke, sowohl einheimische, als fremde, welche zur Erlangung ihrer Gesundheit das Solebad gebrauchen, außerdem, dass sie aus dem bei der Badeanstalt bestehenden Humanitätsfond die Bäder, so wie die erforderlichen Medikamente um die halbe Taxe, nebst einem Beitrag zur Anschaffung von Lebensmitteln erhalten — auch einen unentgeltlichen Unterstand genießen sollen. Dieses Spital besitzt dermalen an Staatspapieren 2000 fl. C.M., und 1695 fl. W.W. verzinslich; außerdem an Privatcapitalien 2755 fl. C. M. Die Einnahme betrug im vorigen Jahre 551 fl. 14 kr.; die Auslagen beliefen sich auf 442 fl. 51 kr. C. M. Die Zahl der daselbst Verpflegten beträgt in der Regel 25 Köpfe.
  6. Die Versorgungsanstalten zu Kremsmünster.
  7. a) Das Hofspital. Es wurde 1674 vom Abt Erhard Voit zur Aufnahme alter gebrechlicher Dienstleute oder auch derartiger Stiftsuntertanen erbaut, und da der Raum allmählich zu klein geworden war, durch ein zweites, vom Abt Alexander Fixlmüller 1738 aufgeführtes Gebäude vergrößert. Ursprünglich wurden die daselbst aufgenommenen Pfründner bis an ihr Lebensende mit Kost, Kleidung, Arzneien u. dgl. ganz allein auf Kosten des Stiftes versorgt, bis nach und nach durch die Mildtätigkeit der nachfolgenden Äbte und durch Vermächtnisse sich ein Fond bildete, aus dessen Erträgnissen, soweit sie hinreichten, jene Auslagen bestritten wurden, während der Abgang vom Stift gedeckt wurde. Das Vermögen dieser Anstalt bestand am Schluss des Verwaltungsjahres 1838 in 2860 fl. C. M., und 9260 fl. W. W. in öffentlichen Fonds, und in 3484 fl. C. M. Privalcapitalien. Die Einnahmen berechneten sich im genannten Jahr auf 416 fl., die Auslagen auf 577 fl. C. M. Es werden daselbst im Durchschnitte 14 Individuen versorgt.
  8. b) Das Marktspital. Dieses verdankt seinen Ursprung dem Abt Ehrenbert Schrevogl, welcher dasselbe 1679 im Markt auf einem Stiftsgrund erbaute, und zu demselben wohltätigen Zweck widmete. Auch bei dieser Anstalt bildete sich durch Schenkungen und Vermächtnisse ein Stiftungsfond, dem überdies nach erfolgter Aufhebung der dortigen Corporis-Christi- und der Rosenkranz-Bruderschaft die Hälfte des Vermögens derselben im Betrag von 3406 fl. in Staatsobligationen zugewiesen worden ist. Gegenwärtig beläuft sich das Vermögen dieser Anstalt, in welcher im Durchschnitt 11 Personen verpflegt werden, auf 2160 fl. C. H. und 12.283 fl.W. W. in öffentlichen Papieren, und 600 fl. CM bei Privaten anliegend. Die Einnahmen betrugen 261 fl., die Auslagen 609 fl. C. M., deren Mehrbetrag wie beim Hofspital stets vom Stift bestritten wird.
  9. Das St.-Johann-Nepomuk-Spital zu Traunkirchen im Commissariat Ort wurde 1734 von Udalricus von Pankh, Jesuit und Cooperator daselbst, gestiftet. In demselben werden seither 4 arme Weibspersonen versorgt, welche nebst dem unentgeltlichen Unterstand eine tägliche Beteilung von 3 und 3 l/2 kr. W.W. genießen. Das Stiftungkapital dieser Anstalt beträgt 2255 fl. W. W. in Staatsobligationen und in 90 fl. C.M. bei Privaten anliegend.

12. Das Bürgerspital zu Kirchdorf im Commissariat Pernstein. Diese vor bereits mehr als 200 Jahren durch die Mildtätigkeit der Bürgerschaft von Kirchdorf entstandene Markt-Versorgungsanstalt erhielt 1794 eine ne

neue Regulierung und Spitalordnung, und die Verwaltung desselben wurde einem Ortsbürger unter der Oberaufsicht des Marktgerichts als Vogtei übergeben. Das aus verschiedenen Schenkungen, Einkaufs-, Verlassenschaftsgeldern, aus Vermächtnissen und sonstigen wohltätigen Zuflüssen, so wie aus einem Vermögensanteil aus der aufgelösten U.L.-Frauen-und-St.-Helenazöch-Bruderschaft allmählich gebildete Vermögen dieser Anstalt beläuft sich nach dem Rechnungsabschluss 1838 auf 3050 fl. C.M. und 5135 fl. W.W. in öffentlichen Fonds, und in 1163 fl. 17 kr. C.M, an Privatkapitalien. Die jährliche Einnahme beträgt 619 fl. 7 ¾ kr. C.M., wogegen die Auslagen 339 fl. 16 kr. C.M. ausmachen. Im Durchschnitt werden daselbst 11 Individuen versorgt, die eine tägliche Beteilung von 4, 6 und 12 kr. W. W. genießen.

  1. Die Versorgungsanstalten im Commissariat Scharnstein.
  2. a) Das Armenhaus in Viechtwang. Das eigentliche Jahr der Entstehung dieses Spitales läßt sich nicht mehr eruieren; nur so viel ist bekannt, dass dasselbe von den Äbten Ehrenbert II. und Martin III. von Kremsmünster zu Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts gestiftet, und mit einem Capital von 6000 fl. dotiert worden sei. Dasselbe wurde zur Aufnahme von 16 Personen bestimmt, deren jeder außer der Wohnung in abgesonderten Kammern wöchentlich 30 kr. bezog. Zur Beheizung wurden jährlich zwei Flösse hartes Brennholz aus den Herrschaftswaldungen erfolgt.
  3. b) Das Armenhaus in Grünau. Es wurde 1751 vom Abt Alexander II. erbaut, zur Aufnahme von 12 Armen bestimmt, und deren Unterhalt aus den Renten der Stiftsherrschaft Scharnstein angewiesen, welcher durch eine 1775 erfolgte neue Stiftung der Erben des Paul Ferdinand Leithner, Pflegers zu Scharnstein, eine namhafte Verbesserung erhielt.

Da die Erträgnisse der in öffentlichen Fonds angelegten Stiftungskapitalien durch die Zeitverhältnisse eine bedeutende Reduktion erlitten haben, so können dermalen nur 17 Pfründner, und zwar 11 in Viechtwang und 6 in Grünau versorgt werden. Der Stand der Stiftungskapitalien wurde am Schluss des erwähnten Verwaltungsjahres mit 1420 fl. C. M. und 14.895 fl. W. W. in Staatspapieren, und mit 601 fl. C. M. Privatkapitalien nachgewiesen. Die Einkünfte berechneten sich auf 274 fl. 6 ¾ kr., die Auslagen hingegen auf 411 fl. 11 kr. C. M.

  1. Die milde Versorgungsanstalt zu Pettenhach im Commissariat Seisenburg. Sie entstand 1794, indem die Hälfte des Vermögens der bisher bestandenen, und in Folge höheren Ortes gefassten Beschlüsse aufgehobenen U.L.-Frauenbruderschaft, so wie der Fruchtgenuss von Dienstgeldern und Zehnten zur Versorgung von 4 armen Personen bestimmt wurde. Das Vermögen dieser Anstalt besteht dermalen in 340 fl. C. M. und 5579 fl. W. W. in Staatsobligationen, und in 120 fl. C.M. Privatkapitalien , mit einem Kassarest von 180 fl. C.M. Die Einkünfte beliefen sich 1838 auf 153 fl., die Auslagen dagegen auf 217 fl. C. M. Es erhalten stets 4 arme, erwerbsunfähige Personen eine Geldbeteilung von täglich 10 kr., und werden in nötigen Fällen mit Kleidung, Holz, bei Erkrankungen mit Arzneien versorgt.
  2. Das St. Martinsspital zu Sierning. Diese Versorgungsanstalt wurde schon 1028 von Wenceslaus Jacobus Rolandinus, Canonicus des reichsfürstlichen Hochstiftes Passau und Vicarius zu Sierning, zu dem Zweck gestiftet, dass in selbes 8 arme gesittete Personen, sowohl männlichen als weiblichen Geschlechtes, aufgenommen und verpflegt werden sollen. Nebst der unentgeltlichen Wohnung und dem nötigen Brennholz sollten diese Pfründner mit einer Tagsportion von 4 ½ kr. beteilt werden. In dieser Art bestand dieses Spital ohne irgendeiner Veränderung, nur dass die ungünstigen Verhältnisse der neuern Zeit wegen Unzulänglichkeit der Einkünfte eine Verminderung der Zahl der Pfründner und ihrer Beteilungsbeträge notwendig gemacht haben. Das Vermögen dieser Anstalt bestand am Schluss 1838 aus 250 fl. C. M. und 3146 fl. 24 kr. W. W. in Staatspapieren. Die Einkünfte beliefen sich im genannten Jahr auf 458 fl. 56 ¾ kr., die Ausgaben auf 71 fl. 42 kr. C. M. Es werden derzeit stets 4 Pfründner versorgt, deren jeder jährlich 24 fl. W. W. bezieht.
  3. Die Versorgungsanstalten zu Steyr.
  4. a) Das Bürgerspital. Diese in der Vorstadt Steyrdorf gelegene Anstalt wurde 1305 von der Königin Elisabeth, Albrechts erster Gemahlin, gestiftet, und 1313 reichlich beschenkt, wie eine über dem Eingang in das Spital angebrachte Inschrift folgenden Inhaltes besagt: „Elisabeth, Germanorum regina, Archiducum Austriae progenitrix, nata Tyrolis et Goriciae comes, hujus hospitalis pauperes largis pro sua pietate dotibus auxit. Anno MCCCXIII.“ Diese Stiftung wurde durch die reichlichen Spenden hiesiger Bürger und anderer Wohltäter, worunter noch 1693 Stephan von Werthenberg 6000 fl. in seinem Testament bestimmte, so ansehnlich vermehrt, dass 1788 der Stiftungsfond nicht weniger als 39.070 fl. C. M. betrug, aus dessen Erträgnissen 32 verarmte Bürger und Bürgerinnen in diesem Gebäude mit einer guten Naturalkost verpflegt werden konnten.
  5. b) Das Bruderhaus. Über die anfängliche Stiftung dieses gleichfalls in der Vorstadt Steyrdorf befindlichen Versorgungshauses finden sich keine Nachrichten vor. Nur so viel ist gewiss, dass Hans Lueger, Bürger und später Stadtrichter zu Steyr, die noch jetzt dabei befindliche Hauskapelle 1511 mit Bewilligung des Abtes Ulrich zu Garsten erbaute, und dass 1512 Kaiser Maximilian I. in seinem Freibrief über die Güter, die jener Hans Lueger dazu gestiftet, sagt: „Das Siechenhaus, so wir gestiftet und aufgerichtet haben,“ woraus folgt, dass er der Stifter, oder doch wenigstens ein großer Wohltäter dieses Siechenhauses gewesen sei. Durch Vermächtnisse und Schenkungen hiesiger Bürger gedieh die Anstalt so, dass bald 12 Pfründner unterhalten werden konnten. Da dieses Versorgungshaus 1749 abbrannte, so wurde nach dessen im folgenden Jahr stattgefundener Wiedererbauung die Pfründnerzahl auf 16 Köpfe herabgesetzt. Das Stiftungscapital betrug 1788 bereits 24.362 fl.
  6. c) Das Herrenhaus oder Sondersiechenhaus liegt in der Vorstadt Aichet, und wurde von Ulrich Lichtenberger und seiner Hausfrau 1569 gegründet, indem sie hierzu 4000 fl. Durch fernere Stiftungen mehrerer Bürger von Steyr, worunter die von Benedickt Aetl, der 1578 starb, die vorzüglichste war, wuchs das Stammvermögen bald zu einer bedeutenden Höhe, so dass es 1788 bereits die Summe von 30.307 fl. erreicht hatte, aus dessen Erträgnissen 20 Arme in der Anstalt ihre Verpflegung erhielten.
  7. d) Das Lazarett St. Joseph war ein Versorgungshaus in der Vorstadt „bei der Steyr,“ das einzig von Bürgern der Stadt Steyr um 1683 errichtet und mit Stiftungscapitalien dotiert worden ist, aus dessen Renten 24 arme Pfründner ihre Versorgung erhielten. Es wurde aber um 1789 aufgehoben, das Gebäude veräußert, die Pfründner in den andern Versorgungshäusern untergebracht, und der Stiftungsfond, der bis dahin bereits zu dem Betrag von 28.673 fl. angewachsen war, mit den übrigen Stiftungen vereinigt.

Diese vier Stiftungen, welchen vermöge höheren Anordnungen die Hälfte des Vermögens aus den aufgehobenen hierortigen Bruderschaften zugewiesen worden war, wurden 1793 in eine einzige, unter dem Namen des „Milden Versorgungsfonds“ zusammengezogen, und unter eine besondere Verwaltung, worüber der Magistrat Steyr als Vogtei die Oberaufsicht führt, gestellt. Am Schluss des Verwaltungsjahres 1838 betrug der Gesamtcapitalstand 36.972 fl. C. M. und 127.643 fl. W.W. in Staatspapieren, gleich wie 9976 fl. C. M. an Privatcapitalien. Außer diesen Stiftungscapitalien besitzt der Milde Versorgungsfond noch Untertanen in Ober- und Unterösterreich, wovon einige einen Getreidedienst, andere einen Zehent zu entrichten haben. Die Einkünfte beliefen sich im genannten Jahr auf 6146 fl. C. M., mittlerweile die Ausgaben 5972 fl. C. M. ausmachten.

In den genannten Versorgungshäusern werden nun eine gewisse Anzahl armer, siecher Menschen untergebracht, die außer der Wohnung und gemeinschaftlichen Beheizung eine bare Beteilung nach Verhältnis der Classen , nach welchen die Pfründen bemessen sind , aus dem Versorgungsfond erhalten.

Die vereinigten milden Versorgungsfonds-Pfründen bestehen derzeit aus:

1 Bürgerspitalspfründe zu täglichen             20 kr. W. W.

1 „             15 kr. W. W.

17 Bruderhauspfründen zu täglichen            10 kr. W. W.

20 Sondersicchenhauspfründen zu täglichen   6 kr. W. W.

24 Lazarettpfründen zu täglichen                   5 kr. W. W.

ferner aus der 1836 stattgefundenen Stiftung des Canonicus und Stadtpfarrers Öppinger, sieben sogenannte bischöfliche Pfründen, und zwar 6 mit monatlichen 5 fl. C. M., oder täglichen 25 kr.W. W„ und 1 mit monatlich 3 fl. 20 kr. C. M. od.er  16 2/3 kr. W. W., somit zusammen aus 100 Pfründen.

Außer den Pfründnern erhalten nach Maßgabe des Raumes auch andere vererarmte erwerbsunfähige Personen in den Versorgungshäusern unentgeltlichen Unterstand, die entweder eine Beteilung aus dein Armeninstitut beziehen oder wohl auch ohne den Genuss irgend einer Beteilung aus einem Fond durch die Unterstützung wohltätiger Menschen ihr Leben fristen.

  1. Das Spital der Herrschaft Steyr zu Dietachdorf im Commissariat Gleink wurde in den Jahren 1687-1689 vom Grafen Franz Joseph von Lamberg erbaut, und der Stiftbrief von Franz Anton Fürsten von Lamberg am 1. Oktobcr 1757 errichtet. Nach dem Inhalt desselben ist dieses Spital zur Aufnahme verarmter gebrechlicher Hcrrschaftsuntertanen bestimmt, welche ihren Lebensunterhalt durch die ihren Kräften noch angemessenen Handarbeiten und durch eine tägliche Pfründnerportion von 6 kr. aus den Einkünften des Spitals erhalten. Diese Einkünfte bestehen in den Interessen des in öffentlichen Fondobligationen 3200 fl. C. M. betragenden Stiftungskapitals, teils in den Beiträgen, welche vom reinen Verlassenschafts- Vermögen der Untertanen zu 12 kr. vom Hundert unter dem Namen Spitalgeld abgenommen wird. Die Zahl der in diesem Spital beherbergten und bei heilten Pfründner beträgt in der Regel 5 Köpfe, und der für ihre Verpflegung gemachte Aufwand im Durchschnitte 70-80 fl. C.M.
  2. Das Bürgerspital zu Weyer. Der Zeitpunkt der Entstehung dieses Versorgungshauses, mit welchem auch das Armenhaus in der Ortschaft Au (die Leyern genannt) in Verbindung steht, kann nicht ausgemittelt werden, da das einzige vorfindliche, hierauf Bezug nehmende Aktenstück, der von der Landesregierung bestätigte Stiftbrief, dd. Weyer am 16. Sept. 1794, sich hierüber folgendermaßen ausdrückt: „Nachdem bei allhiesigen Markt allschon von unfürdenklichen Zeiten ein sogenanntes Bürgerspital bestanden, ohne dass zeithero zu erheben möglich gewesen wäre, von wem selbes eigentümlich und ursprünglich, und unter welchen Bedingnissen und Anordnungen gestiftet worden sey“ usw. Der Tradition zufolge soll dasselbe bald nach der Gründung des Marktes Weyer vor beiläufig 400 Jahren von den damaligen Hammermeistern erbaut worden sein. Durch spätere Schenkungen und Vermächtnisse erhielt es eigentümliche Gründe und Untertanen.

Das Spital ist ein nicht unansehnliches Gebäude, in welchem stets drei Pfründner ihren Unterstand und eine Beteilung aus dem Spitalsvermögen erhalten; es werden aber auch in dasselbe Kranke, vorzüglich arme kranke Dienstboten aufgenommen, zu welchem Behuf immer einige Krankenzimmer in Bereitschaft stehen. Das Armenhaus in der Au dient zur unentgeltlichen Beherbergung verarmter Taglöhner des Marktes Weyer, welche aber außer der unentgeltlichen Wohnung vom Spitalsfond nichts genießen. Das Vermögen dieser Anstalt bestand am Schluss des Jahres 1838 in 453 fl. W.W. Staatsobligationen und in 1880 fl. C.M. Privatkapitalien, so wie in einer Kassabarschaft von 294 fl. C. M. Die Einnahme betrug im erwähnten Jahre 297 fl. 18 kr., die Auslagen 190 fl. 2 ½ kr. C.M.

  1. Das k. k. Spital zu Hallstatt im Commissariat Wildenstein. Über den Ursprung dieser Anstalt, der sich wahrscheinlich in die weiteste Vorzeit verliert, kann nichts Gewisses ausgemittelt werden, da die hierauf bezüglichen Akten wahrscheinlich beim großen Brand, der 17J0 Hallstatt verheerte, zu Grunde gegangen sind. Die älteste Urkunde über diese Stiftung ist das Reformationslibell vom Jahre 1656, worin die vom Kaiser Ferdinand III. für das Spital vorgeschriebene Ordnung enthalten ist, und in welchem sich auf Dotationen von Kaiser Maximilian I. und K. Ferdinand I. bezogen wird, zu deren Zeiten daher diese Anstalt bereits bestanden bat. Der Ursprung selbst ist in selben nur als „durch die Fürsten Österreichs ausgegangen“ angedeutet. 1790 erhielt diese Anstalt eine neue zeitgemäße Regulierung. Das Vermögen derselben beträgt nach dem letzten Rechnungsabschluss 27.567 fl. C.M. und 12.600 fl. W. W. in Staatspapieren, aus dessen Erträgnissen, die sich 1838 auf 1673 fl. 54 ¼ kr. C. M. belaufen haben, 25 arme erwerbsunfähige Salinenarbeiter und hilflose Witwen beherbergt, und mit baren Geldbeträgen zu wöchentlichen 39 kr. und 8 kr. Teuerungszuschüsse, sowie mit Holz, Licht, Kleidung und Naturalien mit einem Aufwand von 344 fl. 24 kr. C. M. beteilt wurden. Außerdem wurden an Unterstützungen für 21 Männer und 66 Weiber außerhalb der Anstalt 509 fl. 53 kr., und an Erziehungsbeiträgen für 38 Waisenkinder 264 fl. 4 kr. C. M. verausgabt.

Die Sollingerische Waisen- und Armenversorgungsanstalt zu Hallstadt wurde 1763 von Mathias Sollinger, gewesenen k. k. Salzfertiger und Marktrichter daselbst, zur Aufnahme von Waisen und armen dürftigen Personen aus seiner Verwandtschaft, oder in deren Abgang anderer von Hallstadt gebürtiger Individuen gestiftet, wovon jedes nebst einer Tagesportion von 4 kr. C.M. des Genusses der unentgeltlichen Wohnung, des Lichtes und der Beheizung sich erfreute. Da durch die in späterer Zeit eingetretenen ungünstigen Verhältnisse die Zinsen des 12.250 fl. in öffentlichen Fonds betragenden Stiftungskapitales sich sehr vermindert hatten, so muteten die anfänglich in Metallmünze abgereichten Verpflegsgelder gleichfalls reduziert, und die Holz- und Lichtbeteilung eingestellt werden , so dass gegenwärtig nebst dem unentgeltlichen Unterstand nur 4 Personen mit täglichen 2 kr., und 6 mit täglichen 4 kr. W. W. beteilt werden können.

Außer diesen Armenversorgungsanstalten bestehen auch noch zwei Waisenhäuser im Traunkreis, und zwar

  1. a) das k. k. und von Frey’sche Waisenstift im Schloss Weyer bei Gmunden. Nach Inhalt des von Carl Joseph von Frey, k. Landrat und ständischen Verordneten, hinterlassenen Testamentes vom 1. Mai 1738 hat derselbe sein Schloss Weyer nächst Gmunden zur Wohnung und Erziehung von 12 Waisenknaben aus dem Salzkammergut gewidmet, und hierzu ein Capital von 6000 fl. gestiftet. Dieser Stiftung wurden durch die Gnade des Allerhöchsten Landesfürsten der Bezug von jährlich einhundert Metren Korn gegen Entrichtung des Limito-Preises von 1 fl. 22 ¾ kr. W. W. vom k. k. Kastenamt zu Gmunden, dann siebzig Klafter hartes Brennholz von der k. k. Salinen-Verwaltung Ebensee bewilliget. Das Vermögen der Anstalt betrug am Schluss des letzten Verwaltungsjahres in Staatsobligationen 1300 fl. C. M. und 3100 fl. W. W. Die Einkünfte beliefen sich 1838 auf 849 fl. 47 kr., die Ausgaben auf 840 fl. 13 kr. C.M., wovon 6 Waisenknaben die nötige Verpflegung, Erziehung und den Unterricht erhielten.
  2. b) Die Waisenstiftung in der Ortschaft Paura, it Wimsbach. Vermög Stiftbriefes vom 28. Sept 1720 wurde das Stiftungsgebäude von Maximilian Pagel, Abt zu Lambach, erbaut, und zugleich ein Capital von 20.000 fl. zu dem Zweck gestiftet, um 7 Waisenknaben aus Lambach oder der Ortschaft Stadl, deren Wahl einem jeweiligen Stiftsvorstand unbedingt vorbehalten bleiben soll, zu verpflegen und zu erziehen. Obschon die Zinsen des unverändert gebliebenen Stiftungscapitales durch die Zeitverhältnisse eine bedeutende Minderung erlitten haben, so wurden, nachdem mehrere Jahre hindurch nur 4 Waisen verpflegt worden waren, doch aus dem nur 181 fl. 21 kr. M. M. betragenden Einkünften im letzten Jahr wieder 7 Waisenknaben versorgt, und so der wohltätigen Absicht des Stifters, so viel es die Kräfte der Anstalt zuließen, entsprochen.

Krankenanstalten

Krankenanstalten im eigentlichen Sinn gibt es im Traunkreis nicht. Das sogenannte städtische Krankenhaus zu Steyr ist mehr Versorgungs- als Krankenanstalt. Dieses am äußersten westlichen Ende der Stadt gelegene Gebäude, von seinem einstmaligen Besitzer der Plautzenhof genannt, wurde 1680 von der Stadt wegen damals in Unterösterreich herrschender Pest gekauft und zu einem Lazarett eingerichtet. 1755 erbaute Bernhard Großrucker, Stadtrichter, dort eine Kapelle, die der heil. Anna geweiht wurde, daher die ganze Anstalt unter dem Volke auch den Namen Annakapelle führt. Dieser Anstalt, welche seit jeher als Krankenhaus für die Stiftlinge aus den Versorgungshäusern auf Kosten ihrer Stiftungen, für andere einheimische und auswärtige gegen Vergütung des Kostenaufwandes benützt worden ist, wurden im Lauf der Zeit Stiftungs-Capitalien zugewendet, die 1788 die Summe von 12.500 fl. erreicht hatten, aus deren Erträgnissen sechs Pfründner und Pfründnerinnen, und zwar vier aus den gestifteten Capitalien ganz unterhalten, und zwei aus dem Sondersiechenhaus als Krankenwärter gestellte, mit einer täglichen Zulage von 2 kr. beteilt wurden.

Bei der Vereinigung der früher erwähnten Stiftungen zu Steyr in einen gemeinschaftlichen milden Versorgungsfond wurden auch die Stiftungs-Capitalien dieser Anstalt mit einbezogen, und seither mit jenen gemeinschaftlich verwaltet.

Seiner ursprünglichen Widmung nach dient der Plautzenhof auch jetzt noch immer zur Aufnahme solcher Versorgungsfonds-Pfründner, welche wegen hoher Altersgebrechlichkeit, wegen hohen Grades ihres Siechtums, oder wegen Geistesschwäche einer besonderen Pflege und Wartung, die ihnen in den Versorgungshäusern wegen Mangel an eigenen Krankenzimmern und Wärtern nicht zu Teil werden kann, bedürftig sind, oder die wegen Unreinlichkeit oder wegen Ekel erregenden Zuständen in einem solchen Versorgungshaus füglich nicht belassen werden können. Außerdem werden auch altersschwache, oder mit langwierigen Krankheiten behaftete Armeninstituts-Pfründner auf Rechnung des Armenfonds, und wohl auch erkrankte Dienstboten, Handwerksgesellen und Reisende gegen Ersatz der erlaufenden Gebühren, der entweder aus Eigenem, oder von der betreuenden Handwerksinnung, oder bei nachgewiesener Vermögenslosigkeit von den Gemeinden, nach einer Berechnung von 39 kr. W. W. des Tages, zu leisten ist, aufgenommen.

Aus diesem ist abzunehmen, daß der bei weitem größte Teil der in diese Anstalt überbrachten Personen an chronischen, meist unheilbaren Zuständen leide, wie dieses eine zehnjährige Zusammenstellung zeigt, wonach von dem im erwähnten Zeitraum in dieser Anstalt behandelten und verpflegten 427 Individuen mehr als die Hälfte mit Altersschwäche, Auszehrung, Lungensucht, Wassersucht, der chronischen Gicht, veralteten Geschwüren, Blödsinn u. dgl. behaftet waren. Im Durchschnitt werden des Jahres 42 Personen aufgenommen, wovon 27 wieder entlassen werden, und 13 sterben.

Dermalen bestehen in der Anstalt, welche ein weitläufiges, mit einer Hauskapelle versehenes Gebäude ist, ein Krankenzimmer mit 8 Betten für männliche, und eines mit 10 Betten für weibliche Kranke; zwei Gemächer für unreinliche Sieche, und ein zweckmäßig eingerichtetes und wohlverwahrtes Gemach für Irrsinnige, vorzüglich für Tobsüchtige. Die ärztliche Behandlung der Kranken, sowie sämtlicher in den Versorgungshäusern und außerhalb derselben befindlichen Pfründner ist einem Arzt und einem Wundarzt anvertraut, wofür ersterer eine Remuneration von 100 fl., und letzterer eine Gratifikation von 25 fl. CM. aus dem Versorgungsfond bezieht.

Das Ökonomische des Hauses, in welchem ein Hausmeister, der zugleich die Ausspeisung besorgt, drei Wärterinnen und ein Hausknecht angestellt sind, leitet ein Bürger, unter der Aufsicht des Magistrates, als Versorgungsfonds-Verwaltung.

Im Pfarrdorf Gschwandt im Bezirk Gmunden wurde 1837 auf Kosten der Gemeinde ein Häuschen zur Aufnahme erkrankter armer Gemeindeglieder gebaut und eingerichtet. Es besteht aus einem Zimmer mit drei Betten, und die Kranken werden, da die Anstalt kein Vermögen besitzt, auf Kosten des Armen-Institutes verpflegt.

Das Sanitätswesen steht, so wie in den übrigen Kreisen der Provinz, mittelbar unter der Oberaufsicht des jeweiligen Landes-Protomedikus und der hohen Landesregierung, unmittelbar aber unter der Aufsieht und Leitung des Kreisamtes und des Kreisarztes, der Referent im Sanitätsfach ist, und über alle Medicinal-Anstalten zu wachen, die Sanitätsangelegenheiten mittelst des Kreisamtes zu leiten, und über das Veranlasste der hohen Landesstelle zu berichten hat. Ihm sind die Bezirksärzte, sowie das sämtliche Sanitäts- Personal des Kreises, er selbst aber ist dem Kreisamt untergeordnet.

Der Traunkreis ist behufs der Besorgung der öffentlichen Sanitäts-Angelegenheiten seit 1833 in fünf Physikatsbezirke eingeteilt, da die beiden Sanitäts-Physiker zu Gmunden und Ischl nunmehr auch als Bezirksärzte für das Salzkammergut, welches in dieser Beziehung früher dem Physikat Kirchdorf zugewiesen war, verwendet werden. Die dermalige Einteilung der Physikate ist laut der beigefügten Tabelle C. folgende:

1) Der Physikatbezirk Steyr, unter der Besorgung des jeweiligen Kreisarztes besteht aus sieben Commissariaten, mit 17 Pfarren und 43.412 Seelen.

2) Das Physikat Neuhofen umfasst 11 Commissariate mit 34 Pfarren, die zusammen eine Bevölkerung von 53.028 Köpfen zählen.

3) Das Physikat Kirchdorf erstreckt sich über 9 Bezirke, die zusammen aus 26 Pfarreien mit einer Volksmenge von 48.118 Seelen bestehen.

4) Der Physikatsbezirk Gmunden begreift in sich zwei Distriekt-Commissariate mit sechs Pfarren und einer Population von 17.501 Köpfen.

5) Das Physikat Ischl endlich ist zusammengesetzt aus vier Commissariaten mit sieben Pfarren, die von 18.155 Menschen bewohnt werden.

Außer den fünf öffentlich angestellten Ärzten befinden sich dermalen ein jubilierter k. k. Kreisarzt und zwei jubilierte k. k. Bezirksärzte, ein k. k. hauptgewerkschaftlicher Physikus zu Weyer, ein Stiftsarzt zu Kremsmünster, und 8 praktische, somit im Ganzen 18 Ärzte im Kreis, wovon 6 in der Kreisstadt befindlich, die übrigen auf dem Land verteilt sind.

Die Zahl der Wundärzte beträgt derzeit 75, worunter drei Magistri der Chirurgie. Von diesen Wundärzten befinden sich mit Einschluss des k. k. Kreiswundarztes, der zugleich Operateur ist, fünf in der Kreisstadt; die übrigen sind auf dem Land disloziert.

Weiters zählt man 131 Hebammen, wovon 8 ihre Kunst in dir Kreisstadt ausüben; und endlich 12 öffentliche Apotheken, wovon drei in Steyr, die andern aber in Enns, Florian, Gmunden, Ischl, Kirchdorf, Kremsmünster, Neuhofen, Weyer und Windischgarsten platziert sind.

Es entfällt demnach auf einen Arzt ein Flächenraum von 4 Q. M. und eine Volkszahl von 100.013 Köpfen: auf einen Wundarzt ein Landstrich von beiläufig einer Quadratmeile mit einer Bevölkerung von 2402 Seelen; auf eine Apotheke ein Territorium von ungefähr 6,1 Q. M., und eine Seelenzahl von 15.018 Personen; auf eine Hebamme endlich ein Flächenraum von nicht völlig einer halben Quadratmeile mit 5-6 größeren und kleineren Ortschaften, und einer Volksmenge von 1375 Köpfen.

Tierärzte im eigentlichen Sinn gibt es im Traunkreis nicht; dagegen ist an geprüften und approbierten Curschmieden kein Mangel. Ebenso wenig fehlt es aber auch an Curpfuschern und Quacksalbern, die in der allgemeinen Neigung des gemeinen Mannes, in seinen Leiden Rat und Hilfe bei den ihm zunächst stehenden zu holen, ihren Entstehungsgrund haben, und zugleich stete Aufmunterung finden, auf der einmal betretenen Bahn fortzufahren. Gewöhnlich sind es äußere Schäden, Beinbrüche, Verrenkungen, Geschwüre, woran sie ihre Kunst üben, und es lässt sich nicht in Abrede stellen, dass manche dieser Curpfuscher ihre oft von ihren Vätern ererbten empirischen Kenntnisse durch Übung und Nachdenken vermehren, und es bei Behandlung der erwähnten Schäden zu einer Fertigkeit und Sicherheit bringen, die in ihren Folgenden Menschenfreund wie den Arzt überrascht. Bei der geringen Bildung, auf welche das gemeine Volk im Allgemeinen Anspruch

macht, darf man sich wohl nicht wundern, wenn es von manchen medicinischen Irrtümern, Aberglauben und Vorurteilen befangen ist, an Gespenster und Hexen glaubt, denen es manche Krankheiten bei Menschen und Tieren zuschreibt, von Amuletten, sogenannten Sympathie-Mitteln u. dgl. Hilfe erwartet.

Besonderes Vertrauen setzt es in das sogenannte „Wenden“, womit sich meistenteils alte Leute, Männer und Weiber befassen, und welches darin besteht, dass der Wundertäter den kranken Teil des Körpers mit beiden Händen ergreift, ihn nach verschiedenen Richtungen streicht, anhaucht, anbläst, während welcher Manipulation er Sprüche vor sich her murmelt.

Eine unter dem Landvolk noch allgemeiner verbreitete Gewohnheit ist das alljährliche Aderlassen im Frühjahr, gewöhnlich an den Bitt- und Pfingstfeiertagen, wobei, besonders im Gebirge, noch häufig die Aderlasskalender, worin die „Dies fausti“ angegeben sind, zu Rate gezogen werden. An solchen Tagen pflegt sich alles, Alt und Jung, zum Wundarzt zu begeben, um sich eine beliebige Menge Blutes abzapfen zu lassen.

Weniger üblich, als es sonst der Fall war, ist unter demselben das Schröpfen, so wie der Gebrauch der Abführungsmittel, welche sonst bei dem gemeinen Mann sehr beliebt waren, jetzt aber mehr in Abschlag kommen. Dagegen sind verschiedene Harnmittel allgemein im Gebrauche, worunter Magentinkturen aus bitteren, aromatischen und abführenden Ingredienzen bei jedem Unwohlsein, die Wachholder- und Kreuzbeersalbe bei Wassersüchten, verschiedene Salben und Pflaster bei Wunden, Geschwüren, Quetschungen, Verrenkungen und Beinbrüchen anwendet werden.

Erst wenn diese Hausmittel nichts gefruchtet, auch die Volksärzte keine Hilfe gespendet haben, wendet sich dasselbe an den Wundarzt, und wenn auch dieser nichts ausrichtet, an den Arzt, dem sonach in der Regel das Los beschieden ist, die veralteten, eingewurzelten , durch Haus- und andere Mittel verwirrten und verzerrten Krankheiten in Behandlung zu bekommen.

Einteilung der Physikats-Bezirke im Traunkreis:

Steyr: Dr. Carl Ozlberger, Bezirksarzt.

Neuhofen: Dr. Adalbert Schleifer, Bezirksarzt.

Kirchdorf: Dr. Ludwig Wokurka von Pflichtenheld, Bezirksarzt.

Gmunden Dr. Joseph Kliemstein, k. k. Bergrat, erster Salinen-Physikus und Bezirksarzt.

Ischl: Dr. J. Brenner Ritter von Felsach, k. k. Salinen-Physikus, Bezirks- und Badearzt.

[1]  Medicinische Jahrbücher des k. k. österreichischen Staates, Bd. 32, Wien 1840, 113, 281, 457, 616 https://books.google.at/books?pg=PA611&lpg=PA460&dq=fiorini+neuhofen&id=Hio1AAAAcAAJ&hl=de&ots=tAAZIJb_SV#v=onepage&q=fiorini%20neuhofen&f=false

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