Grünmarkt 6

1522 abgebrannt und wiederaufgebaut.

Im Steuerbuch von 1543 werden mit den Erben nach Jörg Hirsch die ersten Besitzer genannt. Der Kürschner Wolfgang Fellinger ist von 1567 bis 1573 nachzuweisen, bis das Haus an Benedikt Ättl überging. Benedikt Ättl war ein bedeutender Bürger der Eisenstadt und wird in den Preuenhueberschen Annalen mehrmals genannt. Der Eisen- und Messerhändler Ättl war fünfmal verheiratet gewesen so auch mit Töchtern aus den reichen Handelshäusern Fenzl und Reischko. Außer dem Haus Grünmarkt Nr. 6 besaß er noch das Areal Enge Nr. 25.

Im Jahre 1583 kaufte der Eisenverleger Magnus Ziegler das Haus und vererbte es sowie das Nebenhaus Grünmarkt Nr. 4 an seinen Sohn Erasmus. Magnus Ziegler war dreimal verheiratet gewesen (Susanne Dorninger, Ursula Altinger und Katharina Pürgk). Aus diesen Ehen hatte er 12 Söhne und 9 Töchter. Er stellte am 14. Februar 1587 sein Testament auf und starb 1591. Sein Sohn aus zweiter Ehe und Hausbesitzer von 1585 bis 1610, ließ am 3. September 1595 seinen letzten Willen aufsetzen. Die Testamentsöffnung war am 23. Juni 1608.

Wappen Ziegler

Der nächste Eigentümer war der Handelsmann Thomas Schräpacher (1610 bis 1642). Sein Vater Clement war seit 1588 Bürger in Steyr und Hammerherr zu Reichraming gewesen und 1614 gestorben. Thomas erbte die Gewerkschaft Wendtbach und erhielt im Jahre 1626 den Adel mit dem Prädikat „Von und Zu Wendtbach“. Thomas Schräpacher besaß auch ein Haus in der Enge (Nr. 20) und starb am 20. Oktober 1642. Bis 1645 ist das Schräpacherische Haus „gar schlecht bey Pau“. 1669 wird es als „öd und leer“ bezeichnet. Aus dem städtischen Besitz erkaufte es 1675 Stefan Lobmayr, der es in den Neunzigerjahren an den Schneidermeister Christoph Schusbeck veräußerte.

Wappen Schräpacher

Von den Riemermeistern Georg Philipp (1722 bis 1747) und dessen Sohn Johann Kickendorfer (1747 bis 1750) ging das Haus an die Eisenhändler Johann Ferdinand Pachner (1750 bis 1754) und Adam Pichler (1754 bis 1764) über. Auch in den Häusern Enge Nr.11, Schulstiege Nr. 4 und Berggasse Nr. 29 sind Mitglieder der Familie Kickendorfer als Riemer nachzuweisen.

Johann Ferdinand Pachner stammte aus Leonfelden und handelte zuerst mit Eisenwaren und wurde später Gastwirt („Gasthaus zum Goldenen Greif“). Er war zweimal verheiratet gewesen – ab 1744 mit Anna Maria Stainer, ab 15. Februar 1745 mit Maria Katharina Willensperger, die ihm sieben Kinder schenkte. Von 1744 bis 1749 wohnte er im Hause Stadtplatz Nr. 5, dann im Haus Grünmarkt Nr. 6 und später im Haus Enge Nr. 31. Johann Ferdinand Pachner war Stadtrichter von 1772 bis 1781 und Bürgermeister von 1782 bis 1786. In seine Amtszeit als Bürgermeister fielen die erste Magistratsverfassung, die Verlegung des k. k. Kreisamtes für das Traunviertel nach Steyr, die Schaffung eines Armeninstitutes und die Klosteraufhebungen. Johann Ferdinand Pachner starb am 9. Juli 1791, vom Schlage getroffen, im 77. Lebensjahr.

Dr. Volker Lutz Amtsblatt der Stadt Steyr Nr. 9/1974

Dreigeschoßiges dreiachsiges, im Kern aus dem 16. Jahrhundert stammendes Bürgerhaus mit Krüppelwalmdach. Rundbogiges Portal in der linken Gebäudeachse. Barockfassade aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Obergeschoße stark vorkragend, ruhend auf Korbbögen, diese von stuckverkleideten Konsolen getragen. Die Achsen vertikal von Stuckzierat zusammengefasst. Schmiedeeisenfensterkörbe im ersten Obergeschoß, Fensterverdachungen im zweiten Obergeschoß. Das abschließende Giebelgeschoß mit zwei querrechteckigen Fensteröffnungen.

Daten der Unterschutzstellung: 17. Mai 1963

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