Pfarrgasse 1 / Grünmarkt 2

ehem. Bezirkshauptmannschaft, Schmollgruber Uhren

Das ursprünglich gotische Haus ist 1522 abgebrannt und wurde, durch die Lage bedingt, in einem fünfeckigen Renaissance-Grundriss wieder aufgebaut.

Besitzerin Elisabeth Gruber hatte das „im Rohbau“ befindliche Gebäude 1583 ihrem Sohn und Handelsmann Grueber Georg jun. vererbt.

1676 ging es durch Kauf in den Besitz von Frau Eleonora Francisca, verw. Gräfin v. Starhemberg, geb. Gräfin v. Bamberg über.

1677 erwirbt es Vogtberg Anna Maria v.,geb. Luckhnerin, ab 1688 v. Weißenfeldt.

Sie war die Gattin des Franz Leonhard v. Vogtberg, Sekretär beim Grafen Ernst Abensberg-Traun, gest. 1684, dessen Vater Johann Leonhard v. Vogtberg, Stadtschreiber zu Steyr und Syndikus der 7 landesfürstlichen  o.ö. Städte, gest. 13.8.1671 im Alter von 62 Jahren, ein Grabdenkmal in der Stadtpfarrkirche hat. (1647 geadelt.)

Anna Maria war die Tochter des Bürgermeisters Maximilian Luckhner und der Anna Barbara geb. Schröffl, Schwester des Gottlieb Schröffl v. Mannsperg. Als Witwe wurde sie samt ihrem einzigen Sohn Maximilian Ernst am 14.7.1688 in den ung. Freiherrnstand erhoben mit dem Prädikat „von Wiessenfeldt“. Sie gehörte zum Dichterkreis am Hof Ks. Leopolds I., wurde unter dem Namen „Albania“ Mitglied des Pegnitzer Blumenordens, 1696 zur kaiserlichen Poetin ernannt, und dürfte mit Katharina Regina Freiin von Greiffenberg eine der wenigen dichtenden Frauen aus der 2. Hälfte des 17. Jh. gewesen sein.  (Pantz)

1735 kaufte die k.k. Hofkammer das Gebäude und bezog es die Eisenobmannschaft, die 1584 errichtet worden war und der das Eisenwesen in Ober- und Niederösterreich bis in die Zeit Kaiser Josef II. Unterstand.

1782 – 1860 war es Sitz der Montanbehörde, 1782 – 1850 des Berggerichtes, von 1850 – 1860 der Berghauptmannschaft und bis 1868 des k.k. Bezirksamtes.

Von 1868 – 1974 war hier der Sitz der Bezirkshauptmannschaft Steyr-Land.

Viergeschoßiges stadtplatzdominierendes Eckhaus mit Runderker, erbaut 1582. Zum Grünmarkt vierachsig, Stadtplatz dreiachsig, Pfarrgasse fünfachsig. Erdgeschoß mit Putzquaderung. Portale zu den drei Straßenzügen, besonders aufwendige qualitätvolle Renaissanceportale zum Grünmarkt mit geraden Abschluss und zum Stadtplatz mit gebrochener runder Verdachung und dazwischenliegendem Metalladler. Erstes und zweites Obergeschoß abwechselnd mit dreieckigen und rundbogigen Fensterverdachungen. Drittes Obergeschoß mit querrechteckigen Fenstern mit Ohrenfaschen. Runderker dreiachsig, überragt das Gebäude um ein Geschoß, letztes Geschoß mit rundbogigen Öffnungen, Kegeldach.

Ausleger: Wirtshausausleger „Zum Grünen Baum“, bezeichnet 1570, am 18. Jänner 1940 unter Denkmalschutz gestellt, er befand sich ursprünglich am Objekt Gleinker Gasse 16.
Datum der Unterschutzstellung: 1. März 1971

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