Berggasse 38

Schneiderhandwerks-Benefiziatenhaus, Dreifaltigkeits-Stiftshaus

Die Schneiderzeche stiftete der Stadtpfarre Steyr 1494 das Haus Berggasse 38, die bis 1849 Besitzer des Gebäudes war.

Die Schneiderzeche und Bruderschaft „vnter dem Titul der heyligen Dreyfaltigkeit“ stiftete 1496 zu des Kaplans Wohnung ein Haus „in der Stat am Perg zwischen Herrn Niclasen Organisten vnd der Carmaliter Heüser gelegen“, außerdem 2 pf d jährliche Gült von einem Haus zu Steyr „zwischen Thoman Listens vnd der Prandtstetterin Haws gelegen“ und viele Güter und Zehente. Dafür muss der Kaplan wöchentlich auf einem eigenen Altar sechs Messen lesen.

Versäumt er eine trotz Gesundheit, muss er zur Strafe ein halbes Pfund Wachs zur Bruderschaft geben und außerdem die Messe durch einen andern lesen lassen.

Alle Feierabend muss er der Vesper, alle Sonn- und Feiertage dem Amt und der Prozession im Chorrock beiwohnen.

Versieht er sein Amt schlecht, so mahnt ihn zuerst die Bruderschaft, dann der Abt von Garsten, dann der Bischof von Passau, fruchtet das alles nichts, wird er abgesetzt.

Mit folgenden „Reliquien“ war der 1496 konsekrierte Dreifaltigkeitsaltar der Steyrer Schneiderzeche versehen:  Ein Stück vom Grabe Christi; ein Stein, auf dem Maria kniete, als ihr der Engel den Gruß brachte; etwas von Johannes dem Täufer; etwas vom Hirn der Heiligen Bartholomäus, Sebastian, Agapit, Georg, Koloman und Oswald; ein Zahn des hl. Maurus; etwas von St. Ursula; etwas vom Grabe der hl. Katharina, der Zelle des Evangelisten Markus und den fünf Gerstenbroten.

Zweigeschoßiges traufständiges, im Kern spätgotisches Bürgerhaus. Fassade Berggasse sechsachsig, der linke Gebäudeteil mit einer Achse in den Straßenraum vorspringend. Die beiden Fensteröffnungen des Obergeschoßes mit spätgotisch abgefasten Sohlbänken. Die Seitenfront des Vorsprungs trägt im Obergeschoß einen einachsigen Erker über segmentbogigem, abgefastem Unterzug auf Kragkonsole. An dem durch das anschließende Satteldach teilweise verdeckten Giebelgeschoß ist die ursprüngliche Fassadengestaltung erhalten. Der vorspringende Bauteil schließt mit einem Krüppelwalmdach ab. Fassade, einheitliche schlichte barocke Putzgliederung mit aufgeputzten Eckquadern, Fensterfaschen und Kordonband zwischen den Geschoßen. Fassadenabschluss durch profiliertes Traufgesims. Fassade zur Promenade glatt verputzt, mit einfachen Fensterumrahmungen, sechs unregelmäßige Achsen. Zwei spätgotisch abgefaste kleine Fensteröffnungen im Erdgeschoß.

Datum der Unterschutzstellung: 7. November 1988

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